Aussichtspunkt Roque Nublo

Gran Canaria Tipp

Fast genau im Zentrum von Gran Canaria liegt ein geheimnisumwobener Platz, der den Ureinwohnern der Kanaren, den Altkanariern, als Kultplatz diente und auch eine magische Anziehungskraft auf Wanderer und Kletterer gleichermaßen ausübt – der Aussichtspunkt Roque Nublo. In der Frühzeit der Erdgeschichte haben ein aktiver Vulkan und eine anschließende Erosion das Bild von Gran Canaria geprägt. Ein beeindruckendes Erzeugnis dieser Naturgewalten ist der beinahe 70 Meter hohe Roque Nublo, was auf deutsch “Wolkenfels” bedeutet. Bei diesem Felsmonolith handelt es sich um ein Basaltgestein. Die Form, die durch Erosion entstanden ist und in der sich der Felsen auf dem Gebirgsmassiv erhebt, erinnert an einen in den Himmel gestreckten Finger. Vielleicht ist das der Grund gewesen, weshalb dieser Felsen zum Heiligtum des Sonnengottes und als Kult- und Opferplatz auserkoren wurde.

Der Aussichtspunkt Roque Nublo ist zwar nicht der höchste Punkt auf Gran Canaria, aber seit seiner Erstbesteigung im Jahr 1932 ein Besuchermagnet. Über eine serpentinenreiche Straße wird der Parkplatz “La Goleta” erreicht. Dieser Parkplatz liegt an der Gabelung mehrerer Königswege, die die ganze Kanareninsel netzartig überspannen. Von hier aus oder etwas unterhalb vom Dorf La Goleta oder dem Dorf Ayacata aus kann eine Wanderung zum Aussichtspunkt Roque Nublo begonnen werden. In etwa einer dreiviertel Stunde ist das Ziel erreicht. Der Wanderweg ist oft steinig, festes Schuhwerk ist also unerlässlich, bietet dafür aber atemberaubende Panorama-Blicke über Wälder, Täler, Felsen und Dörfer. Die Wanderung ist nur zu Fuß zu bewältigen, da auch eine steile Passage überwunden werden muss. Die in den Berg gehauenen Stufen sind vor allem bei Nässe mit Vorsicht zu begehen, da das Geröll leicht rutschig wird. Reste einer Steinmauer flankieren teilweise den Weg. Auf dem Weg zum spärlich bewachsen Plateau des Roque Nublo kreuzen weitere Felsnadeln den Weg, wie der Mönchsfelsen “Roque El Fraile” oder in direkter Nachbarschaft der Froschfelsen “Roque Rana”. Vom Nebel verhüllt, ist der Roque Nublo als Schatten auszumachen und lässt seine mystische Wirkung erahnen. Ähnlich verhält es sich an sonnigen, klaren Tagen. Dann bietet der Aussichtspunkt eine phänomenale Weitsicht, die bis nach Teneriffa reicht. Ein Sonnenuntergang ist hier ebenfalls spektakulär. Die untergehende Sonne lässt den Roque Nublo einen dämonischen Schatten ins Tal werfen und hinterleuchtet den Felsen in gleißendem Rot.

Noch höher auf den Roque Nublo gelangen nur Bergsteiger, die sich auf einer der Kletterrouten bis ganz nach oben wagen. Über zehn verschiedene Möglichkeiten stehen dafür am Felsen zur Auswahl. Hier liegt nun der Naturpark “Parque Rural del Nublo” zu Füßen, in dem seltene Vögel und Reptilien leben sowie Pflanzen wachsen, die es nur auf Gran Canaria gibt, wie Natternköpfe.

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